Berlin-College: Laboratorium für Gegenwart

Leitung: Marietta Piekenbrock

Sinnlos, eine Gesellschaft auf Rationalität aufzubauen. Nicht Technologien, nicht Strukturen, nicht ökonomische Modelle erschaffen eine lebenswerte Gesellschaft, das können nur Menschen. Studierende der Universität Witten/Herdecke fragen nach bei Künstlern, Kuratoren,  Kollektiven und Projektemachern: Was motiviert Sie ? Welche Taktiken haben Sie entwickelt, um aus starren Strukturen herauszutreten? Können Sie Ihre persönliche Gegenökonomie beschreiben? Warum wollen wir Wachstum oder gibt es eine Alternative? Welche Revolution würden Sie in die Wege leiten? Ihr erstbestes Erfolgserlebnis?  Die nachhaltigste Missbilligung? Woher nehmen Sie Ihren Optimismus? Kultur- und Kunstbetriebe suchen Manager. Prozesse werden gesteuert, evaluiert und optimiert. „Der Sachzwang regiert“ sagt der Kulturphilosoph Luc Boltanski. „Wir sind unsere Modelle“ entgegnet der Ökonom Tomas Sedlacek. In seinen emphatischen Büchern „Gut und Böse“ und „Revolution oder Evolution“ stellt er den Menschen in den Mittelpunkt mit seiner einzigartigen Fähigkeit, Ideen zu entwickeln und spontan zu handeln. Waren Kunst und Kultur bisher lediglich Nebenprodukte industriellen Wachstums, sind sie heute, im 21. Jahrhundert, ökonomische Ressource und Rollenmodell für soziale Entwicklungen. Die Frage lautet: Was können wir von den Künstler lernen für eine umfassendere Vision von einer wohlhabenden, inklusiven, demokratischen und gebildeten Gesellschaft?

Berlin als Modell für eine neue Urbanität? Der Beginn des 21. Jahrhunderts markiert einen Epochenbruch, der Kunst- und Kulturinstitutionen mit neuen Fragestellungen konfrontiert. Globalisierung und Medialisierung stellen Theaterhäuser und Museen vor Herausforderungen, die ihre traditionellen Aufgaben übersteigen. Als Orte der Präsentation und der Selbstvergewisserung haben sie viel institutionelles Wissen aufgebaut und erleben nun, dass Strukturen und Erfahrungen das innere Betriebssystem belasten können, wenn es darum geht, auf kulturelle, ökonomische und demographische Veränderungen dynamisch zu reagieren. Dieser Transformationsbedarf wird in Berlin besonders intensiv diskutiert. Mit der Gründung des Humboldforums und der Neuausrichtung der Volksbühne werden von der Hauptstadt modellhafte Orientierungen und Impulse erwartet. Nun ist Globalisierung nicht nur eine wirtschaftliche Realität, sondern auch ein kulturelles Phänomen, das uns mit der Zunahme von Differenziertheit und Diversität konfrontiert. Sehen wir uns als Deutsche, als Europäer oder als Kosmopoliten? Was können wir tun, damit unsere Gesellschaft und infolge auch ihre Institutionen aus diesen Fragen evolutionäre Strategien ableiten? Das Berlin College ist ein interdisziplinäres Laboratorium für angewandte Kulturreflexion. Die erste Edition bietet Einblicke in künstlerischen Programme und Praktiken der Hauptstadt und ermöglicht mit Akteuren der Berliner Theater, Museen, Festivals und nicht-institutionellen Felder in einen direkten Dialog zu treten. Das Berlin College ist hervorgegangen aus dem Projektseminar www.wirsindunseremodelle..de, entwickelt von Studierenden der Universität Witten/Herdecke.

Berlin-Exkursion: 26. – 29. Mai 2016. Teilnehmerzahl begrenzt.

Die Redaktion_seit 2013: Linda Ammon, Christina Benesch, Clara Dvorak, Juana Eckhardt, Manischa Eichwalder, Anja Engst, Julian Furrer, Tabea Gregory, Sophia Gröning, Sophia Jöns, Pujan Karambeigi, Julian Kramp, Maria Lamotte, Johanna Lamprecht, Rosa Müller, Nora Nagel, Antonia Rohwetter, Frederike Ronnefeldt, Tabea Rossol, Aljohani Salman, Lara Scherrieble, Pierre Schwarzer, Domenik Treß, Miriam Wittig, Flavio von Witzleben, Florine Weiß, Yibei Yao.

Gender-Hinweis: Wir legen großen Wert auf die Gleichbehandlung aller Geschlechter. Im Sinne einer besseren Lesbarkeit wird in den meisten Texten auf dieser website auf die geschlechterneutrale Differenzierung, z.B. Autoren_innen oder Leser*innen verzichtet. Wird die männliche Schreibweise verwendet, sind alle Geschlechter gleichermaßen angesprochen. ………………………………………………………………………………….

Wintersemester 2015/2016

Wir sind unsere Modelle!

Leitung: Marietta Piekenbrock

Haus oder Projekt? Die Volksbühne Berlin als Modell für Kollaboration Leitung: Marietta Piekenbrock „Wir sind unsere Modelle“ ist ein Laboratorium für Fragen zu Kulturtheorie, Management, Ethik und Organisation. Im Zentrum stehen journalistische Interviews. Protokolliert und porträtiert werden Persönlichkeiten und Prozesse. Wir führen Gespräche mit Künstlern und Kulturschaffenden und dringen vor in unveröffentlichte Bezirke, in eine Art Secret Garden künstlerischer und kultureller Praxis. Ab dem Wintersemester 2015/16 wechselt das Seminar „Wir sind unsere Modelle“ die Forschungsperspektive. Im Fokus stehen nicht mehr einzelne Akteure, sondern eine ganze Institution: Die Volksbühne Berlin. Im Frühjahr wurde der belgische Museumsleiter Chris Dercon an die Spitze des traditionsreichen Theaters berufen. Ab 2017 werden er und seine Programmdirektorin Marietta Piekenbrock die Bühne in ein internationales Raumlabor für das Theater des 21. Jahrhunderts verwandeln. „Kollaboration als Modell“ heißt ihre Arbeitshypothese. Sie verstehen sich als Moderatoren eines Prozesses, der für zeitgenössische Produktions- und Kunstformen nach neuen, institutionellen Antworten sucht. Mit der Berufung und Bekanntgabe ihrer Pläne stürzte das deutsche Theatersystem aus seinem Gleichgewicht. Wird man es in Zukunft nur noch mit Projekthäusern und temporären Zuständen zu tun haben? In seiner Reflexion über das Verhältnis von institutionalisiertem und freiem Theater spricht Dirk Baecker von einer „Katastrophe im System“: Die Theater stehen vor einem Wechsel zentraler Orientierungen. Sie haben viel institutionelles Wissen aufgebaut, aber müssen nun erleben, dass Strukturen und Erfahrungen die Psyche einer Institution belasten können, wenn es darum geht, auf künstlerische und ökonomische Herausforderungen dynamisch zu reagieren. Wir treffen Politiker, Intendanten, Künstler und Journalisten, wir versuchen in ihre Köpfe zu blicken, um die Maximen ihres öffentlichen Handelns zu dokumentieren. „Wir sind unsere Modelle“ ist Seminar, Projekt, Redaktion, Archiv und Website. Die Teilnehmer treffen sich zur wöchentlichen Redaktionskonferenz im […] raum, einem Café in der Wittener Innenstadt, das neuen Arbeitsformen ein Experimentierfeld und eine Bühne bietet.   …………………………………………………………………………………………………………. Sommersemester 2015

Wir sind unsere Modelle oder Fortschritt hängt von den Unvernünftigen ab!

Künstler und Kulturschaffende zwischen Idee, Institution und Markt

Sinnlos, eine Gesellschaft auf Rationalität aufzubauen. Nicht Technologien, nicht Strukturen, nicht ökonomische Modelle erschaffen eine lebenswerte Gesellschaft, das können nur Menschen. Studierende der Universität Witten/Herdecke fragen nach bei Musikern, Verlegern, Filmautoren und Projektemachern: Was motiviert Sie ? Welche Taktiken haben Sie entwickelt, um aus starren Strukturen herauszutreten? Können Sie Ihre persönliche Gegenökonomie beschreiben? Warum wollen wir Wachstum oder gibt es eine Alternative? Welche Revolution würden Sie in die Wege leiten? Ihr erstbestes Erfolgserlebnis?  Die nachhaltigste Missbilligung? Woher nehmen Sie Ihren Optimismus? Kultur- und Kunstbetriebe suchen Manager. Prozesse werden gesteuert, evaluiert und optimiert. „Der Sachzwang regiert“ sagt der Kulturphilosoph Luc Boltanski. „Wir sind unsere Modelle“ entgegnet der Ökonom Tomas Sedlacek. In seinen emphatischen Büchern „Gut und Böse“ und „Revolution oder Evolution“ stellt er den Menschen in den Mittelpunkt mit seiner einzigartigen Fähigkeit, Ideen zu entwickeln und spontan zu handeln. Waren Kunst und Kultur bisher lediglich Nebenprodukte industriellen Wachstums, sind sie heute, im 21. Jahrhundert, ökonomische Ressource und Rollenmodell für soziale Entwicklungen. Die Frage lautet: Was können wir von den Künstler lernen für eine umfassendere Vision von einer wohlhabenden, inklusiven, demokratischen und gebildeten Gesellschaft? Ideen lassen sich nicht auf Anhieb in sichtbare Ressourcen oder belastbare Strukturen verwandeln, weshalb die Bedeutung mentaler, emotionaler oder intuitiver Faktoren immer häufiger missachtet wird – und leider viel zu oft auch dort, wo es um Kunst, Kultur und Bildung geht. Umso nachhaltiger wirken Begegnungen mit Persönlichkeiten, die sich über vorgelieferte Tatsachen und Routinen hinwegsetzen, um neue, überraschende Handlungsräume zu erschließen. Unsere Aussichten auf Neuerfindungen und Veränderungen wachsen mit dem Vertrauen in Menschen, die nicht nur fixiert sind auf das, was sie schon kennen oder das was einen quantifizierbaren Nutzen verspricht. In den letzten Monaten haben wir Künstler und Kulturschaffende zum Gespräch getroffen und sie animiert, unredigiert und in entspannter Atmosphäre von sich zu erzählen, darunter Yoel Gamzou (Dirigent), Daniela Seel (Verlagsgründerin kookbooks), Marcel Hartges (Verleger, Piper Verlag), Rimini Protokoll (Theaterkollektiv), Oliver Maria Schmitt (Autor, Mitherausgeber der Titanic, Politiker), Helmut Lachenmann (Komponist). Fernab von Bühne und klassischem Journalismus, gewährten sie uns Einblick in lose Gedanken verdeckte Hintergründe und persönliche Motive. Das Interview ist in der heutigen Mediengesellschaft ein selbstverständliches, beliebtes Porträtformat. Die vorliegenden Gespräche haben gezeigt, dass es nicht nur ein Medium zur Selbstdarstellung ist, sondern auch ein (Erkenntnis-)Werkzeug sein kann, um seine Ideen, sein Werk und auch seine Wirkung kritisch zu reflektieren. Wir haben erlebt, dass hinter jeder dieser Personen, hinter jeder öffentlichen Praxis eine Art „Secret Garden“ liegt, eine geschützte Sphäre für leises Forschen, für Dissidenz und Improvisation. Auch mit dem Filmemacher Harun Farocki war ein Treffen verabredet, doch drei Tage zuvor überraschte uns die Nachricht von seinem Tod. Unsere Trauer und die ungestellten Fragen gehören zur Chronik dieses Projekts. „Wir sind unsere Modelle“ ist Seminar, Projekt, Redaktion, Archiv und Website. Seit dem Sommersemster 2014 versammelt sich eine Gruppe aktiver und passiver Redaktionsmitglieder zu Gesprächen über künstlerische und kulturelle Prozesse. Gemeinsam haben wir versucht für unser Forschungsvorhaben Kriterien, Fragen, Strukturen und Typologien zu entwickeln. Doch jeder Versuch, Ordnung zu schaffen, hat zunächst neue Unordnung, neues Chaos hervorgebracht. Im Herbst entstanden schließlich die ersten Interviews. Im Wintersemester 2014/15 haben wir Quartier bezogen im [….] raum, einer Art performativem Arbeitscafé in der Wittener Innenstadt, das neuen Arbeitsformen ein Experimentierfeld und eine Bühne bietet. Hier ist auch die Idee entstanden, die Gespräche auf einer Website zu sammeln und sie als eine Art öffentliches, weiter wachsendes Archiv zugänglich zu machen. Das Projekt „Wir sind unsere Modelle“ wird gefördert von der Wittener Universitätsgesellschaft.

Die private Universität Witten/ Herdecke nimmt seit ihrer Gründung und staatlichen Anerkennung 1983 eine Vorreiterrolle in der deutschen Bildungslandschaft ein. Seit rund drei Jahrzehnten gehen von der Universität Witten/Herdecke wichtige Impulse für Forschung und Lehre aus. Ganz im Sinne der Humboldtschen Bildungsidee werden die Studierenden dazu ermutigt, in größeren Zusammenhängen zu denken, um gesellschaftliche Verantwortung auch jenseits der Grenzen ihrer eigenen Fachdisziplin übernehmen zu können. Die Universität Witten/Herdecke bietet auch unter den Bedingungen einer zunehmenden Ökonomisierung der Universitäten alle Freiheiten, theoriebasiert und praxisnah, ethisch und ästhetisch, forsch und entschleunigt, dissident und unbedingt sowie interdisziplinär und undiszipliniert zu studieren.

reflexiv, interdisziplinär, praxisorientiert, innovativ und ethisch reflektiert Im stärker gewinnen Kunst und Kultur als Identitätsquelle und Impulsgeber für neue Gesellschaftsentwürfe an Bedeutung. Wir müssen uns neuen Fragen stellen: Was können wir aus der Kunst übernehmen für eine umfassendere Vision von einer wohlhabenden, inklusiven, demokratischen und gebildeten Gesellschaft? Welche Kunstformen brauchen wir, in welche sollen wir investieren? In welchen Strukturen wollen wir unsere Gegenwart organisieren? Welche Rolle spielt eine Universität innerhalb eines solchen Kontextes? Die private Universität Witten/ Herdecke hat verschiedene Studiengänge im kulturellen Bereich entwickelt, die in vernetzten, interdisziplinären Strukturen neue Handlungs- und Denkmodelle erproben. Alle Studiengänge ermöglichen eigene Schwerpunktsetzungen und setzen die Bereitschaft zu individueller Projektarbeit voraus. Charakteristisch für gestaltende Berufe ist das Arbeiten an Schnittstellen. Ständig gilt es, sich zwischen verschiedenen Disziplinen zu bewegen, sich in neue Kontexte einzuarbeiten, mit Unsicherheiten umzugehen und Lösungen für  komplexe Probleme zu finden. Das Studium der Philosophie, Kulturreflexion und kulturellen Praxis bedeutet die praktische Erfahrung im Umgang mit diesen Schnittstellen. Geistes-, kultur-, und sozialwissenschaftliche Disziplinen werden kombiniert mit Künsten, künstlerischer Erfahrung und Kulturmanagement. Nicht erst die Finanz- und Wirtschaftskrise hat gezeigt, dass die systematische Ausbildung von „Tunnelblicken“ eine der größten Gefahren für hochgradig differenzierte Gesellschaften ist. Wie kein anderes vergleichbares Programm in Deutschland öffnet der Wittener Studiengang Philosophie, Politik und Ökonomik den fachspezifischen Horizont durch Perspektiven, die die Wechselbeziehungen zwischen den gesellschaftlichen Teilbereichen systematisch in den Blick nehmen. Kern des Studienganges ist die multiperspektivische Analyse von Institutionen, Organisationen und Ideen. Zum Sommersemester 2014 starteten in inhaltlicher Angebundenheit an den Studiengang Philosophie und Kulturreflexion die beiden Master-Studiengänge Doing culture. Bildung und Reflexion kultureller Prozesse und Ethik und Organisation Der Masterstudiengang Doing Culture verbindet Theorie und Praxis. Eine interdisziplinäre Analyse und Verortung kultureller Prozesse steht stets im Wechselspiel mit projektbezogener Arbeit. Die Praxisfelder umfassen die bildenden und darstellenden Künste sowie Literatur, Musik, und Kulturen des Digitalen. Der berufsperspektivische Studiengang befähigt die Absolventen zu konzeptueller, kommunikativer und organisatorischer Projektarbeit im Kultur-, Bildungs- und Wissenschaftsbereich. Unter welchen Bedingungen sind Organisationen fähig, ihre Entscheidungsprozesse an multiplen Werten und Verantwortungsstandards auszurichten und aus Konsequenzen auch normativ zu lernen? Dieser Fragestellung widmet sich der Masterstudiengang Ethik und Organisation. Die Studierenden lernen, die vitale ethische Dimension in den vier Feldern Politik, Gesundheit, Wirtschaft und Kultur zu erkennen und als versierte Gestalter von Organisationen ein Verantwortungsbewusstsein zu kultivieren.

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